Kino

Big Data

Filmreihe im Zürcher Kino Xenix im Mai

"Democracy: Im Rausch der Daten" (2015) Ein brandaktueller Doku-Krimi aus Brüssel: Bei der Erarbeitung des neuen EU-Datenschutzgesetzes prallen Wirtschaftsinteressen und Bürgerrechte aufeinander.

«It’s not science fiction, this stuff is happening right now.»
Der Satz, den Edward Snowden in Laura Poitras klaustrophobischem Dokumentarfilm CITIZENFOUR äussert, taugt durchaus als Motto unseres Science-Fiction-Zyklus. Snowden, der noch immer in Russland festsitzt, erklärt im Film ausführlich, wie die US-Geheimdienste überall Daten absaugen, dass niemand sicher sei, dass selbst das Telefon im Hotelzimmer als Abhörgerät dienen könnte, und beschreibt damit Dinge, die viele von uns vor nicht allzu langer Zeit noch für finstere Zukunftsvisionen – für Science-Fiction – hielten; dabei sind sie längst bittere Wirklichkeit (gemäss den unlängst von Wikileaks veröffentlichten Geheimdiensttricks dienen mittlerweile selbst Smart-TVs als Abhörgeräte).

Die Wirklichkeit ist Science-Fiction geworden, und umgekehrt. – Das klingt gut, stimmt es aber auch? Hat das Science-Fiction-Kino Snowden vorausgesehen? Auf den ersten Blick scheint die Antwort auf diese Frage eindeutig negativ auszufallen. Big Data und Cyberkriminelle waren im Kino nie die grossen Renner. Natürlich hackt sich Tom Cruise in jedem MISSION-IMPOSSIBLE-Film in irgendein Hochsicherheitssystem, und ebenso selbstverständlich bedienen sich James Bond oder Jack Bauer raffinierter Überwachungstechnik. ?Aber mehr als Gadgets sind das selten; Filme, in denen die Logik des Datensammelns im Mittelpunkt steht, sind rar. Ein Grund ist zweifellos, dass Computer in hohem Grade unfilmisch sind; wenig ist langweiliger, als jemandem beim Bearbeiten der Tastatur zuzuschauen, und auch dem Datensammeln geht jegliche sinnliche Qualität ab. Das mag erklären, warum sich vom Sandra-Bullock-Vehikel THE NET bis zu Michael Manns BLACKHAT die meisten Cyberthriller als Rohrkrepierer erwiesen haben. [ weiter ]

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