Kino

«Das Kongo Tribunal» - Milo Rau spielt wieder Geschichte

Der Schweizer Theatermacher hat 2015 in der Demokratischen Republik Kongo und in Berlin ein Tribunal inszeniert, bei welchem die Menschenrechtsverletzungen in dem afrikanischen Land angeprangert worden sind. In seiner filmischen Dokumentation des Prozesses verliert sich weitgehend die Kraft des Aktes.

Theatralische Inszenierung im Dienste eines realen Unrechts: «Das Kongo Tribunal». (Bild: pd)

Gerade erst hat Milo Rau in Berlin das «Weltparlament» tagen lassen und ein bisschen Oktoberrevolution gespielt, da kommt seine Dokumentation des letzten grossen Polit-Reality-Theaters ins Kino. 2015 organisierte der Schweizer Theatermacher in Bukavu im Osten der Demokratischen Republik Kongo sowie in Berlin das sogenannte Kongo-Tribunal, ein Bühnenspektakel mit realen Personen als «Zeugen» der Gewaltverbrechen, welche in dem afrikanischen Land im Zuge der Ausbeutung seiner reichen Bodenschätze verübt werden. So wenig tatsächliche Rechtsverbindlichkeit dabei erlangt werden konnte, gelang Rau doch ein moralischer Sieg, indem er die Menschenrechtsvergehen, die der breiten Öffentlichkeit unbekannt sind, aufs Tapet brachte. Nun hat er den Diskurs um eine zusätzliche Dimension erweitert, die des Kinos. Dabei verliert sich der konzentrierte Bühnenakt in mitunter emotionalisierenden Bildern des Unrechts, und Rau nutzt die Gelegenheit, sich als Weltenretter in Szene zu setzen. Ein so edles wie formal fragwürdiges Unterfangen, soeben mit dem Zürcher Filmpreis 2017 ausgezeichnet. [ weiter ]

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